Andreas Krobath – Heilpraktiker für Naturheilkunde, arbeitet seit 2003 mit Schungit in der Praxis, Autor mehrerer Fachpublikationen.
Wenn von „Edelsteine reinigen“ oder „Edelsteine energetisch reinigen“ gesprochen wird, treffen im Grunde zwei unterschiedliche Ebenen aufeinander: die physische Reinigung von Mineralien und Schmucksteinen sowie die Vorstellung einer energetischen Reinigung oder Aufladung. Diese beiden Begriffe werden im Alltag oft vermischt, obwohl sie auf unterschiedlichen Grundlagen beruhen.
Wenn man nach „Edelsteine reinigen“ oder „Edelsteine energetisch reinigen“ sucht, geht es im Kern meist um zwei sehr unterschiedliche Vorstellungen, die im Alltag oft vermischt werden. Einerseits die ganz praktische Frage nach der physischen Reinigung von Mineralien und Schmucksteinen, andererseits die Idee einer sogenannten energetischen Reinigung oder Aufladung.
Meine Erfahrungen aus der Praxis seit 2003 haben mir gezeigt, dass es sinnvoll ist, traditionelle und esoterisch geprägte Ansätze klar von naturwissenschaftlich beschreibbaren Vorgängen zu unterscheiden. Warum diese Trennung wichtig ist, möchte ich in diesem Beitrag näher erläutern.
Denn die physische Reinigung eines Edelsteins betrifft messbare, materielle Vorgänge: Staub, Fett, Ablagerungen oder Oberflächenveränderungen können entfernt werden, etwa durch Wasser, milde Reinigungsmittel oder mechanische Reinigung. Diese Prozesse sind nachvollziehbar, reproduzierbar und unabhängig von Interpretation.
Der Begriff „energetisch reinigen“ hingegen stammt nicht aus der Mineralogie oder Materialwissenschaft, sondern aus kulturellen und spirituellen Deutungsmodellen. Gemeint ist dabei die Annahme, dass Steine nicht nur materielle Eigenschaften besitzen, sondern auch „Eindrücke“ oder „Informationen“ aus ihrer Umgebung aufnehmen und wieder abgeben könnten. Für diese Annahme gibt es nach aktuellem Stand der Forschung keine belastbare wissenschaftliche Evidenz. Sie wird im Rahmen persönlicher oder traditioneller Systeme verwendet. Ob nun mit Räuchern, in die Sonne legen oder dem Vollmondlicht aussetzen.
In der Praxis wird dabei oft nicht unterschieden zwischen der rein physischen Reinigung eines Steins und den Konzepten, die aus der Steinheilkunde stammen. Genau diese Vermischung führt dazu, dass sich rund um das Thema „Edelsteine reinigen“ sehr unterschiedliche Vorstellungen entwickelt haben.
Wie diese Vorstellungen in der Praxis sichtbar werden
Sobald es nicht mehr um Begriffe oder Definitionen geht, sondern um den Stein, den man tatsächlich in der Hand hält, wird der Unterschied zwischen den beiden Sichtweisen meist sehr schnell spürbar. In der Praxis passiert dann oft dasselbe: Ein Edelstein wird getragen, liegt irgendwo im Raum oder wurde einfach eine Zeit lang nicht beachtet – und irgendwann kommt die Frage auf, ob man ihn „reinigen“ oder „energetisieren“ sollte.
Genau an diesem Punkt wird es konkret. Und genau hier fällt in der Praxis sehr häufig ein Name, der in diesem Zusammenhang immer wieder auftaucht: Schungit.
Edelsteine wie Amethyst, Rosenquarz und Turmalin mit Schungit reinigen – was stimmt wirklich?
Es fängt meistens ganz unspektakulär an.
Ein Stein liegt auf dem Tisch. Vielleicht ein Amethyst. Vielleicht ein Rosenquarz. Man hat ihn eine Zeit lang getragen oder im Raum liegen gehabt – und irgendwann kommt dieser Gedanke:
Ob der eigentlich „gereinigt“ werden sollte?
Und fast immer führt diese Frage zu einem bestimmten Stein: Schungit.
Ein Stein, über den man früher oder später stolpert, wenn man sich mit Steinheilkunde beschäftigt. Und einer, um den sich erstaunlich klare Aussagen ranken:
- Er speichert nichts
- Er muss nicht gereinigt werden
- Er kann andere Steine reinigen
Das war für mich am Anfang fast zu eindeutig und ich suchte nach Antworten.
Wie schon erwähnt arbeite ich seit 2003 mit Schungit und Edelschungit. Über die Jahre ist daraus nicht nur praktische Erfahrung entstanden, sondern auch zwei Bücher und – vielleicht noch wichtiger – eine gewisse Skepsis gegenüber einfachen Antworten.
Denn egal ob als Heilpraktiker oder einfach aus persönlichem Interesse:
Mich hat immer interessiert, woher solche Aussagen eigentlich kommen.
Wenn man tiefer in die Steinheilkunde eintaucht, stößt man schnell auf ein zentrales Bild:
Viele Steine werden wie ein Schwamm verstanden.
Sie nehmen etwas auf. Sie speichern. Und irgendwann sind sie „voll“.
Deshalb werden sie gereinigt.
Bei Schungit – vor allem beim Edelschungit – wird oft ein anderes Modell beschrieben.
Er wird nicht als Schwamm gesehen, sondern als Material, das Energie oder „Information“ nicht festhält, sondern durchleitet oder neutralisiert.
In der Steinheilkunde wird dies als spirituelles Interpretationsmodell verstanden und nicht als naturwissenschaftliche Erklärung.
Manche Beschreibungen gehen dabei in Richtung eines „Vakuum-Prinzips“: Etwas wird aufgenommen, aber nicht gespeichert, sondern transformiert oder weitergegeben.
Wenn man einen Schritt zurücktritt aus den heutigen Deutungen rund um Schungit, entsteht oft ein anderes Bild: eines, das weniger mit modernen Interpretationen zu tun hat als mit seiner Herkunft und dem Weg, den die Vorstellungen über ihn genommen haben. Während der Stein im westlichen Raum häufig in esoterische Modelle eingebettet wird, reicht seine Geschichte weit zurück nach Karelien, wo er seit Jahrhunderten vor allem im Zusammenhang mit Wasser und traditionellen Anwendungen genutzt wurde. Auch historische Hinweise aus der Zeit von Zar Peter dem Großen deuten darauf hin, dass Schungit dort bereits in verschiedenen Anwendungen bekannt war, lange bevor er in der heutigen Steinheilkunde eine Rolle spielte. Erst viel später entstand im Rahmen westlicher Interpretationen die Idee, Schungit könne nicht nur für sich selbst stehen, sondern auch andere Edelsteine „reinigen“.
Spannend wird das Thema dort, wo man versucht, diese unterschiedlichen Beschreibungen nicht nur sprachlich, sondern auch materiell zu betrachten. Genau an diesem Punkt beginnt die Frage nach der Messbarkeit.
Und dann gibt es noch einen Teil, der mich in diesem Zusammenhang besonders interessiert hat – weil er die Diskussion aus der reinen Beschreibung herausführt und in Richtung überprüfbarer Beobachtung bringt.
Es ist die Frage nach der messbaren Seite.
Kann man die Eigenschaften von Schungit und Edelsteinen eigentlich messen?
Ich wollte verstehen, ob sich die beschriebenen Unterschiede zwischen den Schungit-Varianten auch physikalisch im Verhalten des Materials zeigen lassen. Deshalb habe ich begonnen, einfache Vergleichsmessungen durchzuführen – bewusst ohne Laborbedingungen, sondern so, wie sie auch im praktischen Umgang möglich sind.
Verwendet wurde ein handelsübliches digitales Multimeter: Crenova MS8233D
Gemessen wurde der elektrische Widerstand verschiedener Schungit-Proben unter identischen Bedingungen: gleiche Oberfläche, gleicher Anpressdruck und gleiche Kontaktpunkte. Die Messspitzen wurden vor jeder Messung kalibriert (Kurzschluss der Sonden), um eine vergleichbare Ausgangsbasis zu gewährleisten.
Messwerte im Vergleich:
Hier das Bild der Messung mit 0,013 Ω des Edelschungit Anhängers:

| Material | Widerstand (Ω) | Interpretation (physikalisch) |
|---|---|---|
| Elite-Schungit | ≈ 0,013 bis 0,020 Ω | sehr hohe Leitfähigkeit / geringer elektrischer Widerstand |
| Schungit-Platte | ≈ 0,46 bis 0,48 Ω | deutlich geringere Leitfähigkeit im Vergleich |
Physikalisch betrachtet zeigt sich damit ein klarer Unterschied im elektrischen Verhalten der beiden Materialien. Der Elite-Schungit weist eine deutlich höhere Leitfähigkeit auf, was sich materialwissenschaftlich unter anderem durch Unterschiede in Struktur und Kohlenstoffanteil erklären lässt. Mehr über Edelschungit Typ 1 und Schungit Typ 2 – siehe Links.
Ein praktischer Hinweis aus der Anwendung
Immer wieder kommt in diesem Zusammenhang die Frage auf, ob sich solche Unterschiede auch selbst überprüfen lassen. In der Praxis wird dafür gelegentlich ein einfaches Multimeter verwendet, um die Leitfähigkeit von Materialien grob zu vergleichen.
Wichtig ist dabei jedoch: Solche Messungen sind keine standardisierten Laboranalysen, sondern geben lediglich einen orientierenden Eindruck vom elektrischen Verhalten eines Materials unter den jeweiligen Bedingungen. Entscheidend sind dabei Faktoren wie Kontaktfläche, Druck und Materialbeschaffenheit – weshalb solche Werte immer im Kontext der jeweiligen Messsituation betrachtet werden müssen.
In meiner Praxis habe ich versucht, diese Faktoren so konstant wie möglich zu halten, um vergleichbare Bedingungen herzustellen. Die hier dargestellten Messungen verstehen sich daher als praxisnahe Orientierungswerte aus der Anwendung und nicht als wissenschaftlich standardisierte Laborergebnisse im streng analytischen Sinn. Für die Messungen wurden Edelschungit-Anhänger, Edelschungit-Rohsteine sowie eine Schungit-Platte (10×10 cm) verwendet. Die verwendeten Stücke stammen aus unserem Shop.
Irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem sich das Ganze verschiebt.
Nicht mehr die Frage, was ein Stein ist, steht im Vordergrund – sondern eher, wie er beschrieben wird und was Menschen darin wahrnehmen.
In der Steinheilkunde passiert genau das sehr oft.
Physikalische Eigenschaften werden nicht einfach nur als Messwerte gesehen, sondern in eine andere Sprache übersetzt.
Ein niedriger elektrischer Widerstand wird dabei manchmal nicht nur als gute Leitfähigkeit verstanden, sondern eher als eine Art „Offenheit“ – als Zustand, in dem nichts wirklich hängen bleibt.
Und genau hier taucht oft ein Bild auf, das viele intuitiv verstehen: die Vorstellung einer Stimmgabel
Etwas, das selbst sehr stabil und geordnet ist und dadurch andere Dinge in Bewegung bringen kann.
In dieser Sichtweise trifft ein als „unruhig“ oder „belastet“ empfundener Stein auf ein Material, das sehr klar und stabil wirkt – und dadurch entsteht die Idee, dass sich etwas wieder neu ausrichten kann.
Wichtig ist dabei: Das ist keine physikalische Beschreibung, sondern eine Art sprachliches Modell innerhalb der Steinheilkunde.
Wenn man meine Messwerte in diesem Modell betrachtet, ergibt sich folgendes Bild:
Der Edelschungit mit extrem niedrigem Widerstand wird als sehr „durchlässig“ und intensiv beschrieben.
Die Schungit-Platte mit höherem Widerstand eher als stabilisierend und ausgleichend.
Und damit entstehen zwei völlig unterschiedliche Sprachen, die sich in ihrer Beschreibung teilweise erstaunlich ähnlich anfühlen, aber auf unterschiedlichen Grundlagen beruhen.
Ein weiterer Punkt, der in der Diskussion rund um Schungit häufig auftaucht, ist die Frage nach sogenannten Fullerene-Strukturen im Material.
Fullerene sind spezielle Kohlenstoffmoleküle, die in der modernen Chemie gut untersucht sind und deren Entdeckung 1996 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde.
In der wissenschaftlichen Literatur wurde bereits Mitte der 1990er-Jahre auch die Frage diskutiert, ob solche Strukturen in natürlichem Schungit vorkommen könnten.
Eine häufig zitierte frühe Arbeit hierzu ist:
Quelle: Gu et al., Fullerenes and shungite (Carbon, 1995)
In dieser und vergleichbaren Arbeiten wird untersucht, ob und in welcher Form fullereneartige Strukturen im Schungit nachweisbar sind.
Die Ergebnisse und Interpretationen werden in der Fachwelt jedoch differenziert betrachtet und nicht einheitlich bewertet.
In der Steinheilkunde wird dieser wissenschaftliche Diskussionsstand häufig als Brücke zur modernen Materialforschung interpretiert – wobei diese Deutung über die eigentlichen Laborbefunde hinausgeht.
Trotz aller Modelle bleibt mir ein Punkt wichtig:
Die Messwerte sind real.
Die Bedeutungen sind Interpretationen.
Für die Annahme, dass Schungit andere Edelsteine energetisch reinigt, gibt es nach aktuellem wissenschaftlichem Stand keine belastbare Evidenz.
Was existiert, sind:
- Traditionen
- Erfahrungen
- Interpretationsmodelle
Mein Fazit aus Praxis, Messung und Steinheilkunde
Wenn ich alle Beobachtungen aus meiner Arbeit mit Schungit – aus Praxis, Messung und den unterschiedlichen Deutungsebenen der Steinheilkunde – zusammenführe, ergibt sich für mich ein konsistentes Gesamtbild: Vielleicht ist genau das der Grund, warum Schungit für viele Menschen so faszinierend ist – weil er sich nicht eindeutig einordnen lässt, weder als reines Symbol noch als vollständig erklärtes Material.
Er bewegt sich zwischen verschiedenen Welten. Und genau in diesem Spannungsfeld entsteht oft das, was wir persönlich aus ihm machen. Hinweis des Autors: Relevante wissenschaftliche Informationen und Einordnungen finden Sie auf meiner zentralen Übersichtsseite: Schungit Lexikon – zentrale Informationen .
Schungit Experte (Erfahrung seit 2003), Fachautor, Buchautor und Betreiber von Edelschungit.eu (Erfahrung und Zertifizierungen bei CPD, CMA, IPHM).
Weitere Informationen finden Sie auf der Über mich – About me Seite.
